Am 13. Oktober 2026 wurde Johann Feilacher mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet – einer der höchsten Ehrungen der Republik Österreich. Verliehen wurde sie im Namen des Bundespräsidenten.
Mit dieser Auszeichnung werden außergewöhnliche Leistungen in Wissenschaft oder Kunst gewürdigt. Bei Johann Feilacher ist es ein Lebenswerk, das beides auf besondere Weise miteinander verbindet.
Der Mann, der den Künstlern ihre Unabhängigkeit gab
Johann Feilacher wurde 1954 in Villach geboren und studierte Medizin mit Schwerpunkt Psychiatrie. 1983 kam er als Assistent von Leo Navratil nach Gugging, 1986 übernahm er dessen Nachfolge.
Feilacher erkannte früh, worum es in Gugging tatsächlich ging: nicht um Therapie, sondern um Kunst. Dieser Unterschied war entscheidend – und prägte seine Arbeit in den folgenden Jahrzehnten.
Im Jahr 2000 gelang ihm schließlich ein bedeutender Schritt: Die Künstlergemeinschaft wurde vollständig von der psychiatrischen Klinik getrennt und als eigenständige Sozialeinrichtung weitergeführt. Aus Patienten wurden Bewohner einer Gemeinschaft, in der ihre Kunst im Mittelpunkt stand. Sie bekamen Sicherheit, Stabilität und den nötigen Freiraum, um selbstbestimmt arbeiten und leben zu können.
Diese Entscheidung veränderte das Leben vieler Menschen grundlegend.
Feilacher schuf einen Ort, der Geborgenheit und Inspiration zugleich bot. Die Künstler:innen hatten Zugang zu Materialien, lebten in einer Gemeinschaft und fanden ein Publikum für ihre Arbeiten. Vor allem aber bekamen sie einen Platz, an dem sie ganz sie selbst sein konnten.
Kunst und persönliches Wohlergehen wurden dabei nicht getrennt voneinander betrachtet. Beides gehörte zusammen – und genau darauf war die Gemeinschaft ausgerichtet.
Vom Rand ins Zentrum der Kunstwelt
Was in Gugging entstand, war nicht nur für die Künstler:innen selbst von großer Bedeutung. Es veränderte auch die Wahrnehmung der Art Brut weit über Österreich hinaus.
Gemeinsam mit seinen Wegbegleiter:innenn brachte Feilacher die Werke der Gugginger Künstler:innen durch Ausstellungen, Kunstmessen und Kooperationen mit Museen nach Europa, in die USA und nach Japan. 2006 eröffnete er gemeinsam mit Nina Katschnig das museum gugging. Heute zählt es zu den international wichtigsten Ausstellungsorten für Art Brut.
Die Künstler:innen, für die sich Feilacher eingesetzt hat, werden längst nicht mehr als Außenseiter:innen im früheren Sinn wahrgenommen. Ihre Werke befinden sich heute in renommierten Sammlungen wie jenen des MoMA und der Albertina. Art Brut steht nicht mehr irgendwo am Rand des zeitgenössischen Kunstbetriebs, sondern ist ein selbstverständlicher Teil davon.
Diese Entwicklung kam nicht von allein. Sie wurde von Menschen vorangetrieben, die fest daran glaubten, dass diese Kunst ohne Vorurteile und ohne Herablassung betrachtet werden muss – als Kunst, die für sich selbst steht und ihren Platz mitten im internationalen Kunstgeschehen verdient.
Johann Feilacher hatte daran einen wesentlichen Anteil.
Er ist außerdem selbst Künstler. Bekannt ist er vor allem für seine großformatigen, abstrakten Holzskulpturen, die er mit der Motorsäge bearbeitet. Feilacher weiß daher aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, künstlerisch zu arbeiten – und wie wichtig es ist, mit dieser Arbeit ernst genommen zu werden.
2022 ging er nach vielen Jahren als künstlerischer Leiter des museum gugging in Pension. Was er hinterlassen hat, ist weit mehr als eine erfolgreiche Institution. Er hat ein Beispiel dafür geschaffen, wie Kunst, Würde und Gemeinschaft an einem Ort zusammenfinden können.
Eine längst verdiente Auszeichnung
Die galerie gugging gratuliert Johann Feilacher herzlich zu dieser besonderen Ehrung.
Die Künstler:innen, die heute in Gugging leben und arbeiten, die Sammler:innen, die ihre Werke besitzen, die Museen, die sie ausstellen, und die Galerie, die sie vertritt – sie alle sind Teil einer Geschichte, die Feilacher entscheidend mitgeschrieben hat.
Mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst würdigt die Republik sein Lebenswerk nun auf höchster Ebene.
Was Johann Feilacher aufgebaut hat, machte vieles von dem möglich, was danach kam.









