Manch Anerkennung kommt erst mit der Zeit. August Walla selbst hat davon zu Lebzeiten nicht allzu viel erfahren. 1936 in Klosterneuburg geboren, galt er lange als Außenseiter – allerdings weniger wegen seiner Kunst als wegen der Art, wie die Gesellschaft ihn sah. Als er 2001 im Alter von 64 Jahren starb, hatte er bereits jahrzehntelang ein außergewöhnlich dichtes und eigenständiges Werk geschaffen. Die Welt war damals gerade erst dabei, seine Bedeutung zu erkennen.
Heuer 2026, 25 Jahre nach seinem Tod und in jenem Jahr, in dem er seinen 90. Geburtstag gefeiert hätte, widmet ihm das Stadtmuseum Klosterneuburg eine Gedenkausstellung. Ihr Titel stammt von Walla selbst: „Klosterneuburg, da ist mein schönstes Paradies.“
Dieser eine Satz erzählt eigentlich schon Alles, über ihn und seine besondere Beziehung zu dieser Stadt.
Eine ganz eigene Welt
August Wallas Arbeiten erkennt man sofort – und trotzdem lassen sie sich kaum in eine Schublade stecken. Er überzog Flächen mit Schrift, erfand eigene Götter und Mythen und malte mit einer Direktheit, die sich um künstlerische Konventionen nicht kümmerte. Seine Bildsprache entwickelte er vollkommen aus sich selbst heraus.
In seinen Werken finden sich religiöse Motive ebenso wie persönliche Symbole, erfundene Alphabete und eine Kosmologie, die nur ihm gehörte. So entstand ein Œuvre, mit dem sich Fachleute, Sammlerinnen und Sammler sowie Museen seit Jahrzehnten beschäftigen – und das sich bis heute nicht restlos entschlüsseln lässt.
Walla lebte und arbeitete im Haus der Künstler in Gugging. Er gehörte zu jener Gemeinschaft, die Leo Navratil ins Leben gerufen hatte und die Johann Feilacher später zum heutigen Art Brut Center Gugging weiterentwickelte. Gugging gab Walla Halt, Gemeinschaft und vor allem die Freiheit, seiner Arbeit nachzugehen.
Doch seine eigentliche Heimat blieb Klosterneuburg. Wie viel ihm die Stadt bedeutete, zeigen besonders seine Briefe und Fotografien, die im Mittelpunkt der Ausstellung stehen. Er schrieb mit großer Zuneigung über Klosterneuburg und griff den Ort auch in seinen Bildern immer wieder auf. Es war für ihn nicht einfach die Stadt, aus der er kam. Klosterneuburg war ein Stück Heimat, das er immer bei sich trug.
Vom Außenseiter zum international anerkannten Künstler
Wallas Geschichte ist typisch für viele Künstlerinnen und Künstler der Art Brut: Zu Lebzeiten wurde er oft missverstanden oder übersehen. Erst nach und nach begann man, sein Werk wirklich zu begreifen und seinen Stellenwert zu erkennen.
Heute sind seine Arbeiten in bedeutenden internationalen Sammlungen vertreten, darunter in der Collection de l’Art Brut in Lausanne, einem der weltweit wichtigsten Museen auf diesem Gebiet. Auch in der Jubiläumsausstellung des museum gugging Anfang dieses Jahres spielte sein Werk eine zentrale Rolle. Dafür kamen eigens Leihgaben aus Lausanne nach Gugging. Wenn ein Künstler einen solchen Stellenwert erreicht hat, bleibt auch sein 90. Geburtstag nicht unbemerkt.
Das Stadtmuseum Klosterneuburg verbindet seit Langem eine herzliche Beziehung mit der galerie gugging und der gesamten Gugginger Gemeinschaft. Dahinter steht nicht nur die gemeinsame Wertschätzung für diese Kunst und ihre Künstler, sondern auch die enge Verbundenheit mit der Region.
Die Ausstellung ist aus dieser Beziehung heraus entstanden. Sie ist ein Projekt, das beiden Institutionen wirklich am Herzen liegt.
Warum diese Ausstellung so besonders ist
Eine Gedenkausstellung in der Heimatstadt eines Künstlers, die seine persönlichen Briefe und Fotografien in den Mittelpunkt stellt, ist etwas anderes als eine große Retrospektive. Sie ist näher, persönlicher und berührender. Es ist, als würde die Stadt sagen: Wir sehen dich heute – und wir sind stolz darauf, dass du zu uns gehört hast.
Wer Wallas Arbeiten kennt, wird verstehen, warum sich das so stimmig anfühlt. Er schrieb, weil er gelesen werden wollte. Er malte, weil er gesehen werden wollte. Aus seiner ganz eigenen Welt heraus suchte er immer wieder die Verbindung nach außen.
Dass Klosterneuburg diese Verbindung nun, 25 Jahre nach seinem Tod, erwidert, ist eine besondere und lange verdiente Form der Anerkennung.
Die Ausstellung eröffnet am 17. Oktober 2026 im Stadtmuseum Klosterneuburg und läuft bis 31. Jänner 2027.









